Alles ist gut

D 2018

Ein beruhigender Titel für einen beunruhigenden Film: Beiläufig und sehr realistisch erzählt Eva Trobisch von einer Frau, die nach einer Vergewaltigung so tut, als sei nichts passiert. Mit beiläufiger Leichtigkeit, manchmal sogar witzig, zeigt Eva Trobisch eine Frau, die alles andere als ein Opfer ist und sein will. Janne geht mit der Vergewaltigung um wie mit einem Schnupfen: ist nun mal passiert, ist lästig, kann man nix machen. Zwei Minuten schlechter Sex … was soll's? Aenne Schwarz spielt diese junge Frau sehr rotzig, sehr vernünftig und insgesamt unerhört faszinierend in all ihren realistischen Facetten, wobei hier und da auch eine gewisse Verletzlichkeit deutlich wird. Und die zeigt dann endgültig: Es geht nicht nur um sexualisierte Gewalt. Es geht um Macht.

Regie
Eva Trobisch
Besetzung
Aenne Schwarz, Andreas Döhler, Hans Löw, Tilo Nest, Lisa Hagmeister, Lina Wendel
Länge
93 min

Was Janne mit Martin erlebt, ist normal bis schrecklich: Sie lernen sich über Bekannte kennen – normal. Sie verbringen einen lustigen Abend zusammen – normal. Martin will mehr – sie sagt Nein, eigentlich normal. Er holt sich, was er will – schrecklich. Der Tatbestand ist eindeutig. Doch für Janne stellt sich nicht die Frage, ob sie Anzeige erstattet, sie geht einfach zur Tagesordnung über. Obwohl sie alles dafür tut, um den Anschein der Normalität zu wahren, ist eben nicht alles gut. Private und berufliche Verwicklungen bringen Jannes Leben mehr und mehr durcheinander. Und im Mittelpunkt steht immer diese eine Nacht, die sich irgendwie nicht abschütteln lässt. Mit beiläufiger Leichtigkeit, manchmal sogar witzig, zeigt Eva Trobisch eine Frau, die alles andere als ein Opfer ist und sein will. Janne geht mit der Vergewaltigung um wie mit einem Schnupfen: ist nun mal passiert, ist lästig, kann man nix machen. Zwei Minuten schlechter Sex … was soll’s? Dass sie niemandem davon erzählt, wird aus ihrer Situation heraus mehr als verständlich. Wie bei vielen anderen Thirty-somethings in der digitalisierten Berufswelt gibt es auch bei ihr kaum eine Trennung zwischen Job und Privatleben. Janne arbeitet mit Piet, ihrem Lebenspartner, zusammen, die Geschäfte laufen nicht gut, die Beziehung leidet darunter. Sie hat einen neuen Job, Martin ist ein künftiger Kollege, ihr Chef sein Schwager. Also was tun? Wenn sich Janne mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten inklusive Humor gegen die Opferrolle wehrt, dann liegt das auch daran, dass sie nicht wie ein hilfloses, traumatisiertes Weibchen wirken will. Sie ärgert sich über sich selbst. Alles blöd genug … Es ist, als ob Janne sich auch für das Schweigen entscheidet, weil das Reden sie noch mehr quälen würde. Vielleicht hat sie Angst vor dem Mitleid der anderen oder vor ihren Vorwürfen? Aenne Schwarz spielt diese junge Frau sehr rotzig, sehr vernünftig und insgesamt unerhört faszinierend in all ihren realistischen Facetten, wobei hier und da auch eine gewisse Verletzlichkeit deutlich wird. Und die zeigt dann endgültig: Es geht nicht nur um sexualisierte Gewalt. Es geht um Macht.
sic!