Am Strand - On Chesil Beach

GB 2017

Chesil Beach. Ein 29 Kilometer langer Küstenstreifen in Dorset. Kieselsteine. Wellen. Erste Filmeinstellung mit Ewigkeitswert. England1962. Es ist ein Sommer der Liebe.

Melancholische Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ian McEwan, der auch die Lustfeindlichkeit und Prüderie im Nachkriegsengland beschreibt. In der Hauptrolle, ebenso selbstbewusst wie verwirrt: Saoirse Ronan.

Regie
Dominic Cooke
Besetzung
Saoirse Ronan Billy Howle Emily Watson Anne Marie-Duff Samuel West
Länge
110 min

Das Land ist noch meilenweit entfernt von den kommenden Swinging Sixties, den Miniröcken Mary Quandts, von Twiggy, den Beatles und den Stones. Wellen und gleißendes Lichts, das Geräusch der kullernden Kiesel am Strand deuten Veränderungen an. Doch hier kein Aufbruch weit und breit. Aber die Liebe ist groß zwischen Florence, die am Konservatorium Geige lernte, und Edward, der Geschichte studiert hat. Sie kommt aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie mit Personal, in der die Hochkultur gepflegt wird, sein Vater ist Lehrer, der sich hingebungsvoll um die Familie kümmert. In dieser Familie herrscht das Chaos des kommenden Jahrzehnts. Die Mutter, nach einem Unfall behindert, hält mit ihren kreativen Ideen die Familie in Atem – dies eine der klugen Nebenhandlungen des Films. Edward und seine Schwestern begeistern sich für den amerikanischen Rock’n’Roll, von dem Florence noch nie etwas gehört hat. Auch hier klingen die kommenden gesellschaftlichen Veränderungen an, doch beide, Anfang Zwanzig im Jahr 1962, also noch im Zweiten Weltkrieg geboren, sind geprägt von der gnadenlosen Prüderie der 50er-Jahre, die wie lange nicht geputzte Fensterscheiben den freien Blick unmöglich machen. Wenn Edward sie zärtlich fragt: „Darf ich Dein Vibrato küssen?“, hat er nicht etwa einen Buchstaben vergessen. Er meint in der Tat nur die Fingerspitzen ihrer linken Hand, mit denen sie eine bestimmte Geigentechnik spielt. Florence ahnt, das Schwierigste an der beschlossenen Heirat wird für sie die Hochzeitsnacht sein. In einem Sexratgeber werden Frauen mit verschlossenen Türen verglichen, in die der Mann eindringen muss. Verwirrend und abstoßend ist diese Beschreibung für die selbstbewusste Florence. Reden kann sie mit Edward nicht darüber. Ihre Sprachlosigkeit ist sprachgewaltiges und bildreiches Thema des Films. Als der Reißverschluss ihres Kleides in der Hochzeitsnacht hakt (wie erotisch sind doch Kleider mit Knöpfen), flieht Florence an den Strand. Das Leben geht weiter, anders als geplant. Beide werden damit leben, dass sie die Bedeutung der Nacht der Nächte absolut übersch.tzten.
ges