Die Wunderübung

Österreich 2018

Wien, die Stadt Sigmund Freuds. Ein Paar im Bus, auf dem Weg zur Therapie. Sie sitzen getrennt, umzingelt von Liebespaaren. Und Ach: Die meisten, denen die Liebe abhandenkam, gehen zur Beratung, wenn es zu spät. Und weil das statistisch gesehen so ist, ist das Scheitern auch dieser Paarberatung ziemlich wahrscheinlich. Und sehr vergnüglich anzuschauen – für Außenstehende. Denn das ratsuchende Ehepaar durchlebt seine allerbeste Phase, es ist in Höchstform, wenn es darum geht, sich verbale Verletzungen zuzufügen. Verfilmung des Theaterstücks von Daniel Glattauer, das Ihnen vielleicht den Gang zum Therapeuten erspart. Kostet dafür nur zwei Kinotickets.

Regie
Michael Kreihsl
Besetzung
Erwin Steinhauer, Aglaia Szyszkowitz, Devid Striesow
Länge
90 min
Programm

Und weil das statistisch gesehen so ist, ist das Scheitern auch dieser Paarberatung ziemlich wahrscheinlich. Und sehr vergnüglich anzuschauen – für Außenstehende. Denn das ratsuchende Ehepaar durchlebt seine allerbeste Phase, es ist in Höchstform, wenn es darum geht, sich verbale Verletzungen zuzufügen: Joana und Valentin – zwei schöne Menschen, jung, gebildet, erfolgreich im Beruf, zwei fast erwachsene Kinder, sind kreuzunglücklich miteinander. Sie liefern sich höchst konzentriert ein lautstarkes Gemetzel ohne Blutvergießen, eine strategisch ausgefeilte, über siebzehn Ehejahre zur höchsten Vollendung gebrachte Schlacht. Trotz der schrillen Töne seiner Frau schafft der Ehemann es, abzuschalten, an ihm tropft scheinbar alles ab. Er schweigt, sie spricht. Ihre Vorhaltungen sind wie giftige Pfeile mit Widerhaken, sie werden elegant serviert, kommen beneidenswert punktgenau. Beide Haltungen sind uns absolut vertraut, verführen zum einverständlichen Gekicher. Der Therapeut hört zu, verspeist nebenher einen Joghurt, bekleckert sich, telefoniert, holt dabei das Beste aus dem Paar raus durch ein paar einfache Übungen, die die beiden noch mehr anfeuern, sich gegenseitig fertigzumachen. Selbst die Frage, wie die beiden sich denn kennengelernt hätten, eine Frage, die immer Romantik aufkommen lässt, erweist sich als stumpfes Instrument. Was nützt es, wenn sie damals beim Tauchurlaub unter Wasser miteinander verschmolzen sind, doch nach bald zwei Jahrzehnten nicht nur schon lange aufgetaucht sind, sondern auch eben solange nicht mehr tauchen gehen. Von der Unterwasserharmonie ist nichts übriggeblieben. Der Therapeut, der vor einer unlösbaren Aufgabe steht, bekommt plötzlich ein Problem, das die beiden Streitenden aus ihren Rollen katapultiert. Was sie nicht wissen: Der Profi greift zu seiner allerletzten Waffe: Der Wunderübung. Therapieerfahrene Menschen haben, die möglicherweise schon mal etwas von einer Paradoxen Intervention gehört. Wir anderen lassen uns überraschen, überlisten und bezaubern von drei preisverdächtigen Schauspielern. Gönnen Sie sich eine kluge Paarberatung. Sie kostet zwei Kinokarten. Nichts wie hin.
ges