In my Room

D / I 2018

Ein Mann allein auf der Welt. Seine Story wird erzählt. Doch dies ist kein typischer Endzeitthriller à la Hollywood. IN MY ROOM zeichnet vor allem ein differenziertes Gesellschaftsbild.

Regie
Ulrich Köhler
Besetzung
Hans Löw, Elena Radonicich, Michael Wittenborn, Ruth Bickelhaupt
Länge
120 min

Wer hat nicht schon mal über die Frage fantasiert, wie es wohl wäre, wirklich allein auf der Welt zu sein?! Keiner weiß, ob das dann ein Traum oder Albtraum ist. Armin darf es herausfinden. Denn eines Tages wacht er auf und es sieht ganz danach aus, als sei er tatsächlich der letzte Mensch auf Erden. Zunächst hat das etwas Erlösendes für den nicht mehr ganz jungen Kerl, der seinen Lebensunterhalt bisher als Kameramann beim Fernsehen verdient hat. Erlösend deshalb, weil Armin weder privat noch beruflich erfolgreich war. Und nun darf er sich als ganzer Kerl erweisen. Er schafft, tüftelt, wächst über sich hinaus und in die Rolle des Siegertypen hinein. Doch dann ist’s wie einst im Paradies: Armin bleibt nicht allein. Eine Frau gesellt sich zu ihm. Und diese Kirsis hat natürlich ihre sehr eigenen Ansprüche ... Erzählt wird kein Endzeitdrama, wie es das schon oft im Kino gab. Hier geht es nicht um den brachialen Überlebenskampf des Einzelnen gegen eine feindliche Umwelt. Hier geht es um den tagtäglichen Kampf mit sich selbst. Deshalb wird auch Armins Geschichte vor dem Unerwarteten ausführlich erzählt. Und das ist eine Geschichte, wie es sie zu Hunderttausenden gibt, eine Geschichte von Ängsten, Einsamkeit und Versagen. Die Spannung erwächst daraus, ob, und wenn ja wie, es dem Helden wider Willen gelingt, das greifbare Glück festzuhalten. Autor und Regisseur Ulrich Köhler gehört neben Christian Petzold (TRANSIT) zu den prominentesten und erfolgreichsten Vertretern der so genannten Berliner Schule. Eines von deren Markenzeichen ist es, mit scheinbar unspektakulären Geschichten die Realität zu reflektieren, insbesondere die Möglichkeiten und Beschränkungen des einzelnen Individuums in einer immer komplexer und unüberschaubarer werdenden Gesellschaft. Bei Köhler passiert das bei allem Gedankenreichtum nicht kopflastig, sondern mit Spannung. Dazu tragen wesentlich die lakonischen Bilder von Kameramann Patrick Orth (TONI ERDMANN) bei. Wie in einem Spiegel zeigen sie die Welt unverstellt als Ort, in dem Menschlichkeit immer wieder neu erobert und verteidigt werden muss.
pit