Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

D 2018

Verflixtes „Ver“filmen: Joachim Lang glänzt mit seinem opulenten Historiendrama um die filmische Adaption von Bertolt Brechts berühmt-berüchtigter „Dreigroschenoper“ und ihren Querelen mit dem Produktionsstudio.

Regie
Joachim Lang
Besetzung
Lars Eidinger, Tobias Moretti, Hannah Herzsprung, Joachim Król, Claudia Michelsen
Länge
130 min
Programm
Yorck loading

Am 31. August 1928 zelebrierte Die ­Dreigroschenoper ihre furiose Premiere im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin. Bertolt Brechts Texte und die Musik von Kurt Weill wurden ein weltweiter Erfolg. Evergreener wie »Und der Haifisch, der hat Zähne« feierten fröhliche Urständ. Brecht zufolge ein »Versuch, der völligen Verblödung der Oper entgegenzutreten«. Es sollte aber noch blöder kommen: Das Kino will den Stoff, der Autor die Basis für das Drehbuch unter der Ägide von Georg Wilhelm Pabst schreiben. Brecht sperrt sich gegen die Filmindustrie, er will eine »radikale, politische, pointierte und sexuell deutliche Leinwandoper«. Synchron zu Brechts Konflikt mit der »doofen und bankrotten Branche« nehmen seine Visionen einer episodenartigen Verfilmung seiner Dreigroschenoper Gestalt an, Kernstücke der Bühnenversion bleiben: Macheath, der Mackie Messer, ehelicht heimlich ausgerechnet Polly, das Töchterchen seines Intimfeindes Peachum, dem König der Bettler. Der sinnt auf Rache. Polizeichef Tiger Brown vermag Mackie nur kurz zu retten, hat Peachum doch seine Bettlerarmada formiert und bedroht die Krönungszeremonie. Die Gangster verwandeln sich dabei in der CGI-generierten Neufassung zu Bänkern. »Die Reichen müssen gute Reiche und die Armen gute Arme sein«, resümiert der aktuelle Mackie Messer. Mächtig visualisiert und messerscharf dialogisiert diese mutige und innovative Filmoper den historischen Kern. So sind alle Zitate im künstlerischen Wirken von Bertold Brecht belegt. Der promovierte Brecht-Spezialist Lang recherchierte akribisch und montierte die schick fotografierten Hochglanzbilder meisterlich perfekt. Ein cineastischer Spagat, der selbst eingefleischte Opern- und Theaterfans mit sprachlosem Erstaunen aus dem Kino entlässt. Pointiert untermalen die Hits von Max Raabe die Szenerie. Das historische Projekt aber blieb indes sprach- und tonlos, das Projekt scheiterte kläglich und endete vor dem Kadi: Brecht verklagte die Produktionsfirma Nero-Film AG, um zu beweisen, dass Geldinteressen mehr als Autorenrechte wert seien. Aber das ist ja nichts Neues und bis heute so geblieben, insbesondere, was Kunst im Kino betrifft.
jea