T2 Trainspotting

GB 2017

TRAINSPOTTING war 1996 ein gewaltiger Karriereschritt für Regisseur Danny Boyle, Hauptdarsteller Ewan McGregor und alle Beteiligten. Umso faszinierender, dass 20 Jahre später fast die komplette Crew wieder an Bord ist, um das brüchige Lebensgefühl der nun Mitt- und Endvierziger widerzuspiegeln, deren selbstzerstörerische Lebenslust noch immer und immer wieder an den Rand des Abgrunds oder darüber hinaus führt.

Regie
Danny Boyle
Besetzung
Ewan McGregor, Johnny Lee Miller, Ewen Bremner, Robert Carlyle
Länge
118 min
Programm

First there was an opportunity … then there was a betrayal! Ein Betrug, der nicht wieder gutzumachen ist. Exakt 20 Jahre ist es her, dass Renton seine Heroin-Kumpels Sick Boy, Spud und Franco übers Ohr gehauen und die Vororthölle Leith, einen Stadtteil Edinburghs, hinter sich gelassen hat, um – Choose Life! – ein bürgerliches Leben zwischen Autowäsche und Fernsehcouch in Angriff zu nehmen. Halbwegs clean, aber ordnungsgemäß gescheitert kehrt er nun an den Ort zurück, der einem Zuhause am ähnlichsten ist, und muss erkennen, wie oberflächlich die Veränderungen trotz der langen Abwesenheit in seinem Heimatort sind. Spud ist erstaunlicherweise immer noch am Leben, mehr oder weniger. Sick Boy gibt ihm erst mal auf die Fresse, bevor sie gemeinsam in die kreative Finanzierung eines Sauna-Bordell-Projekts einsteigen. Aber da ist auch noch der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochene, psychopathische Gewalttäter Franco, der angesichts Rentons in einen Zustand permanenter Raserei verfällt. TRAINSPOTTING war 1996 ein gewaltiger Karriereschritt für Regisseur Danny Boyle, Hauptdarsteller Ewan McGregor und alle Beteiligten. Umso faszinierender, dass 20 Jahre später fast die komplette Crew wieder an Bord ist, um das brüchige Lebensgefühl der nun Mitt- und Endvierziger widerzuspiegeln, deren selbstzerstörerische Lebenslust noch immer und immer wieder an den Rand des Abgrunds oder darüber hinaus führt. Die Fortsetzung eines Kultfilms birgt die Gefahr, schwer in die Hose zu gehen, wenn die Ambitionen nur für eine laue Kopie des Originals reichen. Danny Boyle aber kopiert nicht, sondern lässt seine kaputten Helden in liebevoller Würdelosigkeit altern. Natürlich muss die Handkamera auch diesmal atemlose Schwerstarbeit leisten, natürlich spielt der Soundtrack erneut eine herausragende Rolle und auch vereinzelte Rückblenden dürfen nicht fehlen – doch das Tempo ist ein wenig anders, minimal reduziert und passt wohl genau darum perfekt. Ein paar Dinge haben sich eben doch geändert, und so ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Spud, das vermeintlich schwächste Glied der eingetrübten Schicksalsgemeinschaft, die chaotischen Fragmente des Junkie-Lebens ins Lesbare überträgt.
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