Verleugnung

GB/USA 2016

Was ist und wer bestimmt die historische Wahrheit? Spannend und faktentreu erzählt VERLEUGNUNG von dem Prozess, den Holocaustleugner David Irving im Jahr 2000 gegen die Historikerin Deborah Lipstadt führte.

Regie
Mick Jackson
Besetzung
Rachel Weisz, Tom Wilkinson, Timothy Spall, Andrew Scott
Länge
110 min
Programm

Anno 1996 strengte der britische Holocaustleugner David Irving einen im Jahr 2000 geführten Prozess gegen die US-Historikerin Deborah Lipstadt an. Vor dem Königlichen Zivilgericht in London standen Lipstadt und ihr Team aus renommierten Anwälten vor der absurden Aufgabe, Beweise für den Genozid an den Juden zu erbringen – das britische Rechtssystem kennt anders als das amerikanische keine Unschuldsvermutung des Angeklagten. Den Prozessverlauf und die pragmatische Taktik der Verteidigung beleuchten Regisseur Mick Jackson und Autor David Hare. David Irving entert einen Vortrag der Historikerin Deborah Lipstadt und bietet ihren Studenten lauthals eine Geldprämie, wenn sie einen Beweis für den gezielten Völkermord an den europäischen Juden erbringen. Zu dieser Zeit ahnt sie nicht, dass einige Monate später eine Klageschrift des Geschichtsrevisionisten ins Haus flattert. Irving sieht sich in ihrem Buch Betrifft: Leugnen des Holocaust dem Straftatbestand der Verleumdung ausgesetzt. 2000 kommt es zum Prozess, in dessen Verlauf Lipstadt und ein Juristenteam beweisen müssen, dass der Holocaust stattgefunden hat. Verschiedene Gutachter ziehen Irvings Thesen in Zweifel. Ein Architekturexperte weist die Existenz der Gaskammern in Auschwitz nach. Der Westberliner Professor Hajo Funke zeigt Irvings Vernetzung in der rechtsextremistischen Szene, der Historiker Richard Evans deckt seine unsaubere historische Quellenarbeit auf. Anders als Irving verteidigt sich Lipstadt, nicht selbst, was zu handfesten Konflikten führt. Während sich Irving im Zeugenstand in Szene setzt, muss sie ihr Vorgehen kleinteilig abstimmen. Die von Rachel Weisz schlagfertig gespielte Lipstadt, hadert mit den prozesstaktischen Winkelzügen. Dieser Konflikt Emotio vs. Ratio fügt der grundsätzlich sachlichen Analyse auch eine moralische Dimension hinzu. In einer Schlüsselszene besuchen Lipstadt und ihre Anwälte Auschwitz, um das Krematorium vor Ort zu begutachten. Nebel liegt über der Gedenkstätte, Fotos und Zeichnungen der Gaskammern verweisen auf den realen Schrecken. Wenn hier ein Wassertropfen tränengleich vom Stacheldraht tropft, ist das ein durchaus passendes Bild.
ch