Westwood: Punk. Ikone. Aktivistin.

GB 2018

Zu Beginn ihrer Karriere war die von der Londoner Subkultur der 1960er inspirierte Modedesignerin Vivienne Westwood eine Außenseiterin im Mode-Business. Über die Jahre eroberte die Britin jedoch die Laufstege und gewann renommierte Designpreise. In ihrem Doku-Porträt „Westwood: Punk, Ikone, Aktivistin“ rekapituliert die Filmemacherin Lorna Tucker die biographischen Stationen Westwoods, spricht mit Weggefährt/innen und der Protagonistin selbst.

Regie
Lorna Tucker
Länge
83 min
Programm
Yorck loading

»Müssen wir da wirklich drüber sprechen? Das ist doch alles so langweilig!«, sagt Vivienne Westwood gleich zu Beginn von Lorna Tuckers Dokumentation, für die die Regisseurin augenscheinlich praktisch unbegrenzten Zugang zu der inzwischen 77-jährigen Modedesignerin hatte. Dabei hätte sie viel zu sagen, hat Westwood die Pop- und Modewelt doch seit den späten 60er Jahren entscheidend mitgeprägt. Durch ihre exaltierten Modedesigns, die sie auch im hohen Alter noch selbst trägt, aber auch durch ihre Mitwirkung an der legendären Punk-Band Sex Pistols, die sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Malcolm McLaren ins Leben rief. Schon damals war Punk also auch und vielleicht vor allem ein Produkt, das auch dazu kreiert wurde, der konservativen Gesellschaft ins Gesicht zu spucken. Tucker erzählt anhand von historischen Fotos und Filmaufnahmen von Westwoods Leben und Schaffen, hakt penibel die Stationen ihrer Karriere ab, die sie vom Punk langsam zu einer respektierten Modedesignerin machten, die allerdings erst spät vom Establishment gewürdigt wurde. Und schließlich sogar zur Dame gemacht wurde, denn die Queen erhob Westwood 2006 in den Adelsstand, eine zwiespältige Auszeichnung für eine Punk-Ikone. Im Bemühen, das gesamte Leben Vivienne Westwoods nachzuzeichnen, bleibt Tucker notgedrungen manchmal etwas oberflächlich, wie z. B. bei der politischen Entwicklung Westwoods, die sich in den vergangenen Jahren für so vielfältige Themen wie den Kampf gegen den Brexit oder die Klimaerwärmung engagiert. Die aufschlussreichsten Szenen des Films sind dann auch jene, in denen Tucker Westwood und ihren ehemaligen Studenten und inzwischen langjährigen Mann Andreas Kronthaler bei der Entwicklung einer aktuellen Kollektion zeigt. Wie das Duo da selbst Hand anlegt, Entwürfe begutachtet, jeden Aspekt der Modenschauen zu kontrollieren versucht, erzählt von einer Lust an der Arbeit, an innovativem Design, das sich Westwood auch mit 77 Jahren noch bewahrt hat. Und zeigt letztlich, dass sie in der Gegenwart lebt und keine Zeit hat, sich mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen, auch wenn diese für Außenstehende so faszinierend ist.
mm