Der junge Karl Marx

F/D 2016

Regisseur Raoul Peck, selber ein alter Bekannter mit seinen großartigen politischen Filmen, konzentriert sich 150 Jahre nach dem Erscheinen von Das Kommunistische Manifest und Das Kapital auf die vier Jahre, in denen die weltumwälzenden Schriften reiften. Er zeigt ihre Entstehungsgeschichte als Porträt der engen Freundschaft zwischen Karl Marx und Friedrich Engels. Es kommt darauf an, sie zu verändern. Die Welt. Wir heben sie aus den Angeln, sind sich beide jungen Männer einig.

Regie
Raoul Peck
Besetzung
August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Hannah Steele, Olivier Gourmet
Länge
118 min

Regisseur Raoul Peck, selber ein alter Bekannter mit seinen großartigen politischen Filmen, konzentriert sich 150 Jahre nach dem Erscheinen von Das Kommunistische Manifest und Das Kapital auf die vier Jahre, in denen die weltumwälzenden Schriften reiften. Er zeigt ihre Entstehungsgeschichte als Porträt der engen Freundschaft zwischen Karl Marx und Friedrich Engels. Beide sind verstört von den Folgen der industriellen Revolution in England. Friedrich Engels ist der Sohn eines Tuchfabrikanten in Manchester, und Karl Marx, Anwaltssohn, geboren in Trier und Verwandter Heines, lebt bereits 1844 im Pariser Exil. Im Gegensatz zu Marx kennt Engels die Auswirkungen der neuen »Höllenmaschinen«, hier die mechanisierten Webstühle, das Elend der Arbeiterinnen, ungeregelte Arbeitszeiten, Sklavenarbeit, beschreibt sie. Peck hält sich nicht damit auf, dieses Elend zu dokumentieren. Ihm ist wichtig zu zeigen, wie die beiden darauf kommen zu schreiben: Es kommt darauf an, sie zu verändern. Die Welt. Wir heben sie aus den Angeln, sind sich beide jungen Männer einig. Marx ist bereits Familienvater, seine Frau Jenny von Westphalen wird als eigenständige Denkerin gezeigt, die an der Seite von Karl steht. Auch Engels hat eine starke Frau, eine irische Baumwollspinnerin. Peck zeigt also auch zwei mutige Frauenfiguren. Mary schockiert Jenny, als sie sagt, sie wolle frei sein, Engels keine Kinder gebären. Das könne ihre sechzehnjährige Schwester übernehmen. Der Film hat viele souveräne Momente, eine feine Liebesszene, diskret und erotisch, zwischen Marx und Jenny ist dabei, Kolja Brandt, Kamera, schafft faszinierende Bilder. Die Auseinandersetzungen zwischen den Arbeiterführern und Weltverbesserern jener Zeit sind historisch und doch frisch. »Das Blut kocht in den Adern deiner Schriften«, sagt einer zu Marx, der den Bund der Kommunisten ausruft. Doch wieder wird Marx ausgewiesen, diesmal aus Belgien. Er will aufgeben. »Ich werde bald dreißig. Ich habe kein Geld mehr. Ich habe keine Energie mehr. Ich will Bücher schreiben.« Fabrikantensohn Engels wird ihn auch dabei finanziell unterstützen. Hier endet Raoul Peck. Und wir? Wir verlassen nachdenklich einen klugen Bilderbogenfilm. Was war das denn? Es war gut!
ges