Das Familienfoto

Das Familienfoto

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Pierre (Jean-Pierre Bacri) und Claudine (Chantal Lauby) leben schon seit langer Zeit getrennt, was den Beziehungen innerhalb der Familie nicht gerade gut getan hat: Ihre Kinder haben kaum Kontakt zueinander. Während Gabrielle (Vanessa Paradis) für Touristen eine Statue spielt, will die über die Welt verärgerte Elsa (Camille Cottin) unbedingt schwanger werden. Videospiel-Designer Mao (Pierre Deladonchamps) hingegen leidet unter Depressionen, die er in Alkohol und Psychoanalyse ertränkt. Erst als der Großvater der Familie verstirbt, kommen sie alle wieder zusammen, um zu entscheiden, was nun passieren soll.

Länge
98 min
Programm
Yorck loading

Alles beginnt mit einer Beerdigung. Ein Mann ist gestorben und seine Frau, Mutter von Pierre und Großmutter von Elsa, Gabrielle und Mao, erklärt, dass sie dort sterben möchte, wo sie immer am glücklichsten war: in Saint-Julien. Die demente alte Dame erinnert sich kaum noch an etwas, nur daran, dass ihr dieser Ort etwas bedeutete. Da die Oma aber nicht alleine leben kann, bereitet Pierre alles dafür vor, sie ins Heim zu bringen. Doch Elsa und Gabrielle wollen das nicht zulassen und nehmen die alte Dame zu sich, ohne wirklich bedacht zu haben, welche Verantwortung es ist, einen verwirrten Menschen zu betreuen, zumal ihrer aller Leben auch mit Problemen gepflastert sind. Es gibt Momente, da lacht man tatsächlich. In erster Linie ist das familienfoto aber keine Komödie, sondern ein sehr glaubhaftes Drama, das es versteht, dank komplexer und ausgefeilter Figuren die Geschichte voranzutreiben. Man hat hier die Definition einer dysfunktionalen Familie. Geschiedene Eltern, die sich kaum etwas zu sagen haben, Kinder, die getrennt voneinander aufwuchsen, und Erziehungsmethoden, die wohl den 68ern entspringen. Denn, wie Mao – was für ein Name! – so treffend seiner Psychologin erklärt, ist seine Familie eine, bei der sogar die Kuscheltiere sterben. Eine Erinnerung an seine Jugend, als seine Mutter seinen Teddybären begraben hat. Vielleicht, um ihrem Sohn ein Verständnis für den Tod zu vermitteln, vielleicht, weil sie dachte, es würde ihm helfen. Hier geht es um das Erinnern, haben doch auch die längst erwachsenen Kinder allesamt vergessen, was ihnen die Sommer in Saint-Julien bedeutet haben. Das ist etwas, das diese drei Menschen, die sich im Lauf der Jahre fremd geworden sind, wieder zusammenführt, bis hin zum schönen Schlussmoment, der noch einmal auf den Filmtitel verweist. Aber was die Geschwister hier tun, ist im Grunde nur das zweitbeste dessen, was möglich gewesen wäre, weil ihre eigentliche Idee nicht mehr umsetzbar war. So erzählt der Film auch davon, dass es für manches im Leben zu spät ist, aber immer auch ein Neuanfang möglich ist, wenn man nicht länger in seinem Leben stillsteht, sondern zu etwas Bewegung bereit ist.
pos