Paterson

USA 2016

4.000 Kilometer sind es von Paterson bis Hollywood, das ist schon beinahe die größte Distanz, die man innerhalb der USA überhaupt erreichen kann. Also ein perfekter Drehort für Jim Jarmusch. Er hat eine Art Filmgedicht über einen Dichter namens Paterson gedreht, der in der Stadt Paterson lebt, der der amerikanische Dichter William Carlos William einst einen Gedichtband widmete! Alls klar? Jarmuschs schönster Film seit BROKEN FLOWERS! Voller Poesie, Herzenswärme und Witz.

Regie
Jim Jarmusch
Besetzung
Adam Driver, Golshifteh Farahani, Barry Shabaka Henley, Clift Smith, Chasten Harmon,
Länge
117 min

Paterson lebt in Paterson, einer Kleinstadt in New Jersey, USA. Er ist Busfahrer und Amateur-Dichter. Seine quirlige Freundin meint, er habe Talent und solle aus der Poesie eine Karriere machen, was wohl daran liegt, dass sie selbst zu jedem Hobby gleich eine Karriere plant. Paterson ist weniger ambitioniert und recht zufrieden mit sich und der Welt. Er ist ein genügsamer und trotz seiner Jugend eher altmodischer Typ, der die Vorzüge der digitalen Welt mit einem Halbsatz abtut und dessen Leben in geregelten Bahnen verläuft. Wir begleiten ihn eine Woche lang, sehen ihm beim Busfahren und beim Dichten über die Schulter, lernen die Leute in seiner Stammkneipe kennen und beobachten, wo er seine Inspirationen hernimmt. Irgendwann verliert er sein Notizbuch, irgendwie bekommt er ein neues. Ende der Story. Aber was ist schon eine Story, wenn es um Lyrik geht? William Carlos Williams, dessen in Amerika sehr bekannten Gedichtzyklus über die Stadt Paterson Jim Jarmusch hier gewissermaßen fürs Kino adaptiert, schrieb sein bekanntestes Gedicht darüber, dass er die Pflaumen aufgegessen hat, die da noch im Kühlschrank waren. Also. Williams, der ein Vorbild für die Generation der Beat-Poeten war, »forderte eine einfache, aber dennoch avantgardistische Poesie, die sich an der gesprochenen Sprache und der amerikanischen Alltagswelt orientieren sollte [Wikipedia]«, und Jarmusch hat sich diese Maxime zu Herzen genommen. Herausgekommen ist dabei ein Film, der selbst so etwas wie ein Gedicht ist: Die Einteilung in Wochentage erinnert an Strophen, die alltäglichen Routinen mit ihren leichten Variationen scheinen sich zu reimen. Und die Idee von dem Mann, der wie die Stadt heißt, die er verkörpert: Metapher. Poesie ist allgegenwärtig, in den Bildern der alten Fabriken, im frühherbstlichen Gelb der Bäume. Paterson, die Filmfigur, ist, wie Jarmusch selbst, ein Typ, der die Schönheit im Landläufigen sehen kann, und beide leben in einem entrückten Amerika, das man einfach gern haben muss und in dem man gerne länger verweilen würde als diese unaufgeregten, aber niemals langweiligen 113 Minuten. Jarmuschs schönster Film seit BROKEN FLOWERS, findet.
rog