The Sisters Brothers

f/esp/ro/usa/be 2018

Kaltblütige Kopfgeldjäger mit tragikomischen Macken und Tücken: Ausnahmefilmer Jacques Audiards Abgesang auf den klassischen Erzähl- und Italowestern, der alle Genreregeln bricht. Das konträre Brüderpaar Charlie und Eli, berühmt-berüchtigt kosegekürzelt als The Sisters Brothers, fahnden im Auftrage des sinistren Paradefieslings Commodore (Rutger Hauer im Kurz-Cameo) nach Hermann Kermit Warm. Der Delinquent soll nämlich ein bahnbrechendes Goldwaschverfahren ausgetüftelt haben. Es gilt, Warm ins Jenseits zu befördern, um die Formel zu rauben. Auf das Opfer ist jedoch ebenso John Morris angesetzt. Seine Mission lautet, ihn bis zum Eintreffen des Whiskey-Schluckers Charlie und des selbstzweifelnden Spinnenangstsinnierers Eli gefangen zu halten. John verfolgt indes gänzlich egoistische Pläne, die beim Zusammenprall der vier pittoresken Charaktere in einem furiosen und kuriosen Finale kulminieren.

Regie
Jacques Audiard
Besetzung
John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Riz Ahmed, Jake Gyllenhaal, Rutger Hauer
Länge
121 min

Das, was man Leben und Sterben nennen dürfte, ist bei Frankreichs Independent-Ikone Jacques Audiard rein anämische Attitüde: grenzenlos gierige Goldgräberstimmung in Oregon des Jahres 1851. Das konträre Brüderpaar Charlie und Eli, berühmt-berüchtigt kosegekürzelt als The Sisters Brothers, fahnden im Auftrage des sinistren Paradefieslings Commodore (Rutger Hauer im Kurz-Cameo) nach Hermann Kermit Warm. Der Delinquent soll nämlich ein bahnbrechendes Goldwaschverfahren ausgetüftelt haben. Es gilt, Warm ins Jenseits zu befördern, um die Formel zu rauben. Auf das Opfer ist jedoch ebenso John Morris angesetzt. Seine Mission lautet, ihn bis zum Eintreffen des Whiskey-Schluckers Charlie und des selbstzweifelnden Spinnenangstsinnierers Eli gefangen zu halten. John verfolgt indes gänzlich egoistische Pläne, die beim Zusammenprall der vier pittoresken Charaktere in einem furiosen und kuriosen Finale kulminieren. Konzentriert und kontemplativ konterkariert Audiard alle bisherigen Gesetze des Erzählwesterns mit seinen heillosen Heroen à la John Ford oder den desolaten Realismen eines Italowesterns im Stil von Sergio Corbucci. Leichen pflastern zwar wie in den klinisch-zynischen Ballerballaden unter Clint Eastwood ihren Weg, doch sind diese skurrilen Killer schon nahezu abstrakt surreal, wenn in dieser einzigartigen Kinoperle ein französisch akzentuiertes »Föck jü!« in ­Donald Trumps erschreckendem Great America zu hören ist. Und wenn Warm bedeutungsschwanger sinniert, dass für ihn »das Gold nur ein nicht ­profitables Sprungbrett für eine völlig neue Gesellschaft« sei, sagt dies alles über den profunden Plot und das perfekte Skript dieses kontrastreichen Klischee-Killer-Kinos, in dem auch der wehmütige Lonesome-Rider Jake Gyllenhaal seine eigene elendige Erbärmlichkeit als »einem leeren Zylinder ähnelnden Leben« treffsicher charakterisiert. Voll ins Schwarze getroffen hat Maestro Audiard samt Kameramerlin Benoît Debie auch in seinen spartanischen Intensivbildern. Die ambivalente Komplexität der Protagonisten brennt sich durch die lakonischen Direktbilder tief ein, zumal Bösewichter komisch und Helden heimtückisch zugleich angetrabt kommen.
jea